Symbolbild, KI-generiert (gpt-image-1)
Eine Leerfahrt ist jede Fahrt, bei der ein Fahrzeug ohne Nutzlast, ohne Auftrag oder ohne Zweck bewegt wird. Im gewerblichen Fuhrpark entstehen Leerfahrten fast zwangsläufig – die Frage ist, wie viele davon unvermeidbar sind und wie viele durch bessere Planung wegfallen. GPS-Daten schaffen die Transparenz, die für diese Analyse nötig ist.
Was Leerfahrten im Fuhrpark kosten
Leerfahrten sind keine Bagatelle. Jede Fahrt verursacht Kosten, unabhängig davon, ob sie produktiv war:
- Kraftstoff: Auch eine leere Fahrt verbraucht Diesel oder Benzin
- Verschleiß: Reifenabrieb, Bremsenverschleiß und Motorlaufleistung fallen an
- Fahrerlohn: Der Fahrer wird bezahlt, auch wenn er leer fährt
- Kapazitätsbindung: Ein Fahrzeug das leer fährt, ist für einen anderen Auftrag nicht verfügbar
Bei einem Transporter mit 50.000 km Jahresleistung und 30 % Leerfahrtenanteil – ein Wert, der in vielen KMU-Fuhrparks realistisch ist – sind das 15.000 km, die rein nichts erwirtschaften. Bei 0,35 € variablen Kosten pro Kilometer entspricht das 5.250 € pro Fahrzeug und Jahr.
Wie GPS-Daten Leerfahrten sichtbar machen
Ohne Daten ist der Leerfahrtenanteil einer Flotte meist unbekannt. Der Fuhrparkleiter ahnt, dass „viele Leerkilometer" anfallen – kann aber nicht sagen, wann, wo und bei welchen Fahrzeugen.
Telematik-Systeme erfassen für jede Fahrt: - Start- und Endpunkt - Gefahrene Strecke - Ob dem Fahrer ein aktiver Auftrag zugeordnet war
Aus diesen Daten lässt sich je Fahrzeug und Zeitraum berechnen: - Produktive Kilometer (mit Auftrag, mit Ladung) - Leerkilometer (Rückfahrten ohne Auftrag, Fahrten zum Lager, Positionierungsfahrten) - Auslastungsquote (Verhältnis produktiver zu gesamter Fahrstrecke)
Erst wenn diese Kennzahl pro Fahrzeug und Fahrer sichtbar ist, lässt sich gezielt eingreifen.
Typische Ursachen für vermeidbare Leerfahrten
Nicht jede Leerfahrt ist vermeidbar – Rückfahrten gehören zum Betrieb. Aber viele entstehen durch strukturelle Planungsschwächen:
Fehlende Tourenbündelung Außendienstmitarbeiter oder Servicetechniker fahren nacheinander mehrere Kunden an, die geografisch nah beieinander liegen – aber in ungünstiger Reihenfolge. Eine andere Reihenfolge würde Kilometer sparen, wird aber manuell nicht immer optimiert.
Rückfahrten ohne Anschlussauftrag Ein Fahrzeug liefert an Punkt A und fährt dann leer zurück zum Depot, obwohl sich Punkt B auf dem Rückweg befände. Ohne Echtzeitübersicht über den Fahrzeugstandort kann die Disposition das nicht erkennen.
Mehrfachfahrten zur gleichen Adresse Bei schlechter Auftragsplanung fahren verschiedene Fahrzeuge innerhalb weniger Tage zum gleichen Kunden. Eine konsolidierte Sicht verhindert das.
Frühzeitiges Rückfahren bei freier Kapazität Fahrer beenden ihre Tour früher als nötig und fahren zurück, obwohl noch offene Aufträge in der Nähe wären. Ohne Dispositions-Schnittstelle ist das strukturell schwer zu unterbinden.
Maßnahmen zur Reduktion von Leerfahrten
1. Auslastungsquote als KPI einführen Wer Leerfahrten reduzieren will, muss sie zuerst messen. Auslastungsquote je Fahrzeug und Fahrer als fester Bestandteil des monatlichen Fuhrparkberichts ist der erste Schritt.
2. Standorttransparenz für die Disposition Wenn Disponenten in Echtzeit sehen, welches Fahrzeug wo ist, können sie spontan entstehende Aufträge gezielt dem nächstgelegenen freien Fahrzeug zuweisen. Das reduziert Positionierungsfahrten.
3. Rückfahrten mit Aufträgen füllen Systematisch prüfen: Gibt es auf dem Rückweg einen offenen Auftrag, der mitgenommen werden kann? In der Praxis funktioniert das nur mit einer digitalen Auftragsliste, die dem Fahrer oder Disponenten in Echtzeit verfügbar ist.
4. Tourenbündelung auf Basis historischer Daten GPS-Historien zeigen, welche Kunden regelmäßig angefahren werden und wie die geografische Verteilung aussieht. Daraus lassen sich feste Touren entwickeln, die Leerkilometer strukturell minimieren.
Praxisbeispiel: Sanitärtechnik-Betrieb mit 8 Fahrzeugen
Ein Sanitärbetrieb mit 8 Monteuren stellte nach Einführung einer Telematiklösung fest: Die durchschnittliche Auslastungsquote der Flotte lag bei 61 %. 39 % aller gefahrenen Kilometer waren Leerkilometer – Fahrten von Baustelle zum Lager, Fahrten zurück zum Betrieb, doppelte Anfahrten.
Maßnahmen: - Morgendliche Materialausgabe direkt an der ersten Baustelle (Kollege bringt Material mit) - Disposition bucht Folgeaufträge immer geografisch nah am aktuellen Standort - Fahrer rufen nicht mehr ins Büro, wenn sie fertig sind – Disponent sieht Standort selbst
Ergebnis nach 3 Monaten: Auslastungsquote von 61 % auf 74 % gestiegen. Auf Jahresbasis: rund 18.000 Kilometer weniger gefahren, bei 8 Fahrzeugen.
Fazit
Leerfahrten sind im gewerblichen Fuhrpark ein stiller Kostentreiber, der ohne Datenbasis kaum greifbar ist. GPS-Telematik macht den Leerfahrtenanteil je Fahrzeug und Fahrer sichtbar – und schafft die Grundlage für konkrete Maßnahmen: bessere Tourenbündelung, Standorttransparenz für die Disposition und gezielte Auslastungsoptimierung. Die Einsparpotenziale sind bei den meisten KMU-Fuhrparks erheblich und kurzfristig realisierbar.
Wie EDGEFleet Auslastungsquoten und Leerfahrtenanalyse visualisiert: EDGEFleet kennenlernen.
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